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Top-Interview

Koblenzer Oberbürgermeister David Langner im Gespräch

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Seit jetzt gut zweieinhalb Jahren ist David Langner Oberbürgermeister der Stadt Koblenz. Welche Erfahrungen hat der Amtsinhaber bisher gemacht? Was ist in dieser Zeit im Oberzentrum alles passiert? Und was steht noch kurz- bzw. mittelfristig auf seiner Agenda? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt der Erste Bürger der Rhein-Mosel-Stadt im folgenden Top-Interview.

Top: Herr Oberbürgermeister, Sie sind jetzt seit über zweieinhalb Jahren im Amt. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen – sowohl negativer wie positiver Natur?

David Langner: Nach wie vor bin ich sehr glücklich, dieses tolle Amt für die Bürgerinnen und Bürger auszuüben. Als Oberbürgermeister bin ich eigentlich immer in der Situation, Dinge anstoßen und steuern zu können. Das ist eine Handlungsfähigkeit, die ich sehr schätze. Natürlich gibt es auch schwierige Momente: Die wirtschaftliche und personelle Lage zu Beginn des Jahres beim Krankenhaus oder einfach auch die kleinen Niederlagen, wenn ich den Menschen nicht so helfen kann, wie diese und auch ich es mir wünsche. Ein besonders trauriges Ereignis war ohne Frage der viel zu frühe Tod unserer geschätzten Bürgermeisterin Marie-Theres Hammes-Rosenstein.

Top: Welche wichtigen Vorhaben wurden in Ihrer bisherigen Amtszeit bereits umgesetzt, bzw. warten noch auf ihre finale Umsetzung?

David Langner: Ein Meilenstein ist die Neuaufstellung des Busverkehrs in Koblenz. Ab Dezember dieses Jahres geht es da richtig los. Hier haben ganz viele Menschen in den letzten zwei Jahren intensiv daran gearbeitet und der Stadtrat hat einstimmige Beschlüsse gefasst. Darüber bin ich sehr froh, weil es auch ein zentrales Vorhaben von mir war – für mehr Lebensqualität und Klimaschutz in Koblenz.

Wir setzen künftig mehr Busse ein, die Fahrpreise sinken ab Januar 2021. Was mir noch wichtig ist, die Busse werden immer besser, sie sind mit Klimaanlagen ausgestattet und mit freiem WLAN. Vor allem aber werden viele Busse mit Dieselantrieb durch Busse mit Gasantrieb ersetzt. Hier wollen wir mit dem Einsatz von Biogas den CO2-Ausstoss verringern.

Zufrieden bin ich auch mit der Einrichtung weiterer Ganztagsschulen. Endlich bietet mit dem Görres-Gymnasium diese Schulart ein solches Angebot an. Auf der rechten Rheinseite kommt die erste Grundschule hinzu.

Wir sind mit der Verwaltung endlich auch in den neuen Medien unterwegs. Gerade während der Corona-Pandemie haben wir über diesen Kanal viele Informationen liefern können und für Verständnis geworben.

Auf den Weg gemacht haben wir uns bei der Verbesserung des Radverkehrs, aber hier ist noch viel Luft nach oben. Das weiß ich. Aber Koblenz von einer Auto- zu einer Fahrradstadt zu machen, wird noch Zeit brauchen.

Top: Und welche Projekte stehen kurz- bzw. mittelfristig noch auf Ihrer Agenda?

David Langner: Wir müssen mehr Wohnraum schaffen. Ein wichtiges Stichwort ist dabei die Fritsch-Kaserne. Vor kurzem hat der Bund das Gelände verkauft und der Käufer hat mit uns einen städtebaulichen Vertrag geschlossen. Auf dieser Konversionsfläche entsteht ein neuer Stadtteil mit ca. 800 Wohneinheiten in Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern. 20 Prozent davon werden im Bereich des sozial-geförderten Wohnraums angeboten. Damit gelingt uns insgesamt bis zu 2.000 Menschen eine neue Heimat in der Stadt zu geben. Das ist gut.

Die BUGA 2029 nenne ich ebenfalls. Hier stehen wir zwar noch ganz am Anfang, denn der Durchführungsvertrag ist noch nicht geschlossen und es haben noch keine Wettbewerbe der Landschaftsplaner stattgefunden. Nichts desto trotz haben wir in der Stadtverwaltung Projektideen entwickelt mit denen wir die vielen Chancen, die sich aus der BUGA ergeben, deutlich machen. Eine Flächen-BUGA ist immer sehr anspruchsvoll, aber ich bin optimistisch, dass wir in Koblenz und im Welterbetal von dieser Bundesgartenschau profitieren. Und in dem Zusammenhang wollen wir ja die Dauergenehmigung für unsere Seilbahn bekommen.

Top: Welche Erfahrungen haben Sie und Ihre Verwaltung in der Corona-Krise gemacht? Welche besonderen Maßnahmen mussten ergriffen und umgesetzt werden?

David Langner: Die öffentliche Verwaltung hat sich in dieser Krise als absolut leistungsfähig gezeigt. Ich bin schon stolz auf die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen der Stadt. Und ich danke für die reibungslose Kooperation mit dem Landkreis Mayen-Koblenz und dem Gesundheitsamt. Die maßgeblichen Ämter, die wir zur Bewältigung der Situation brauchten, haben eng zusammengearbeitet. In der Hochphase haben wir uns zweimal täglich zusammengeschaltet. Aufgrund der kurzen Wege wurden schnell Entscheidungen getroffen, die je nach Lageentwicklung immer wieder angepasst werden konnten.

Diesem Umstand verdanken wir, dass wir mit als erste in Rheinland-Pfalz eine Fieberambulanz einrichten konnten. So hatten Menschen mit Symptomen frühzeitig eine Anlaufstation. Vielleicht war das mit ein Grund dafür, warum die Infektionszahlen in der Region vergleichsweise niedrig gehalten werden konnten. Wir haben außerdem etwa Hilfseinrichtungen in Schulturnhallen zügig aufgebaut, bevor wir überhaupt in die Not kamen, sie belegen zu müssen. Wir haben frühzeitig Freiwillige rekrutiert und ausgebildet, um sie in Krankenhäusern oder den Pflegehilfseinrichtungen einsetzen zu können, um das reguläre Personal zu entlasten.

Lobend erwähne ich auf jeden Fall noch das ärztliche und pflegerische Personal in den Krankenhäusern, die Unvorstellbares leisteten. Und die niedergelassenen Ärzte, die in Koblenz die Coronaambulanz betreiben.

Top: Wie sahen denn die Reaktionen von BürgernInnen und Geschäftsleuten in dieser ganz besonderen Situation aus?

David Langner: Die Bürgerinnen und Bürger haben größtenteils toll mitgezogen und die Zumutungen, die zur Verlangsamung der Ansteckungen mit dem Virus nötig waren, tapfer ertragen. Dafür bedanke ich mich auch an dieser Stelle. Schließlich ist der Pandemieverlauf bei uns ja viel weniger tragisch abgelaufen, als in einigen unserer Nachbarländer. Gefreut habe ich mich über viele positive Rückmeldungen in den letzten Monaten – das ist in dieser Form nicht üblich.

Für die Geschäftsleute war die Krise natürlich dramatisch, genauso wie für die Gastronomie und die Hotellerie oder Dienstleistungsunternehmen. Trotzdem sind wir hier auf viel Verständnis gestoßen.

Und wir haben seitens der Stadt gehandelt: Die Website „Koblenz bringt´s“ wurde eingerichtet, das hat die Einnahmeverluste zumindest etwas abfedern können. Und mit einer breit angelegten Werbekampagne für unsere Region haben wir über den Sommer mitunter eine Vollbelegung in den Hotels erreicht. Das hat sich dann auch wieder positiv auf die Innenstadt ausgewirkt. Aber leider ist auch klar, dass wir erst mittelfristig sehen werden, wie wir wirtschaftlich die Krise überstanden haben, Spätfolgen schließe ich nicht aus.

Top: Gab es gravierende Verstöße gegen die amtlich erlassenen Einschränkungen?

David Langner: Unser Ordnungsamt, hervorragend unterstützt durch die Polizei, musste gerade an den sommerlichen Wochenenden auf einigen öffentlichen Plätzen sehr stark kontrollieren - und tut dies dank der milden Temperaturen noch immer. Hier waren dann auch umfassendere Maßnahmen wie ein temporäres Alkoholverbot am Deutschen Eck oder ein Glasverbot am Münzplatz erforderlich. Auch bei Gastronomiebetrieben waren Verstöße gegen die Corona-Bekämpfungsverordnung festzustellen. Dies hält sich aber gegenüber der Vielzahl an Betrieben in Grenzen. Hinzu kommen verschiedene Verstöße im Privatbereich, beispielsweise gegen Quarantäne-Auflagen. Insgesamt liegen wir bei rund 120 eingeleiteten Verfahren gegenüber Privatpersonen und Unternehmen.

Top: Einmal ganz persönlich gefragt: Wo liegen Ihre Ziele und die Ziele für unsere Heimatstadt Koblenz?

David Langner: Ich werde mich weiter mit ganzer Kraft für Koblenz und seine Bürgerinnen und Bürger einsetzen. Das verspreche ich. Neben den eben genannten konkreten Zielen, halte ich es persönlich für wichtig, dass wir das Miteinander in dieser Stadt stärken. Wie lebenswert eine Stadt ist, hängt einerseits natürlich von äußeren Faktoren ab, aber wie wir miteinander umgehen, mit unseren Nachbarn, welches Klima in der Stadt zwischen den Menschen herrscht, ist genauso wichtig. Und dazu können wir alle etwas beitragen. Ich will auch in Zukunft in einer Stadt leben wo Mitmenschlichkeit, Toleranz und Nächstenliebe einen wichtigen Platz einnehmen.

Das Interview führte Top-Chefredakteur Manfred Gerz.