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Regionales

Freilichtbühne Loreley:

60 Tonnen Cortenstahl schaffen eine einzigartige Optik

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Rost soweit das Auge reicht! Auf den ersten Blick betrachtet könnte man meinen, dass für die Stahlkonstruktionen rund um die Freilichtbühne auf der Loreley jede Hilfe zu spät kommt. Für Gerhard Schneider, Geschäftsführer der Schneider Metallbau GmbH in Kastellaun im Hunsrück ist es aber ganau so gewollt! Unter dem Slogan „Heavy Metal aus Kastellaun“ bietet er seinen Kunden immer wieder überzeugende und auch eigenwillige Lösungen. So auch bei diesem außergewöhnlichen Projekt. Die wunderschön gelegene Freilichtbühne hoch über dem Mittelrheintal war „in die Jahre“ gekommen und musste modernisiert werden. Die Zugangstreppen, Brüstungen und Geländer sollten erneuert werden. Der Bauherr, die Stadt St. Goarshausen, hatte das umfangreiche Projekt europaweit ausgeschrieben und im zweiten Bieterdurchgang ging der Zuschlag dann an die Metallprofis aus Kastellaun. „Cortenstahl ist von der Werkstoffbezeichnung fast identisch mit normalem Stahl, jedoch gegenüber herkömmlichem Baustahl ohne zusätzliche Behandlung, wetterfest. Die Witterungsbeständigkeit wird durch den Zusatz von Kupfer, Phosphor, Silizium, Nickel und Chrom erreicht. Wird der Stahl nach der Verarbeitung sandgestrahlt bildet sich schnell eine rostige Patina“, erklärt Gerhard Schneider. Der Stahl bildet unter Witterungseinfluss eine Oxidschicht, diese Schützt den Werkstoff vor weiterer Korrosion. Die Oberfläche ist nach ca. zwei Jahren Abriebfest und verändert sich nicht mehr. Nach Plänen des Stuttgarter Architekturbüros asp Architeken und mit Hilfe des Ingenieurbüros Tries aus Kastellaun hat Gerhard Schneider mit seiner Mannschaft das gesamte Bauvorhaben konstruiert und in den Jahren 2018/2019 bauseitig umgesetzt. 60 Tonnen wetterfester Cortenstahl und weitere 10 Tonnen feuerverzinkter Stahl für die Unterkonstruktion wurden hier verbaut und präsentieren seit dem die Loreley Freilichtbühne in einer vollkommen neuen, eigenständigen wertigen Gesamtoptik. Cortenstahl im Fokus: Cortenstahl wurde im Jahre 1932 zum Patent angemeldet. Cortenstahl bildet auf der Oberfläche durch Bewitterung, unter der eigentlichen Rostschicht, eine besonders dichte Sperrschicht aus festhaftenden Sulfaten oder Phosphaten aus, welche das Stahlteil vor weiterer Korrosion schützt. Aufgrund seiner Unempfindlichkeit gegenüber Witterungseinflüssen und seiner charakteristischen Patina wird Cortenstahl auch für Akzente in der Architektur eingesetzt, wie zum Beispiel für Fassadenverkleidungen. Viele Bildhauer verwenden das Material für Skulpturen im Außenbereich. Bei der Innenanwendung empfiehlt es sich die Oberfläche zusätzlich mit Klarlack zu behandeln. Die Kosten sind ungefähr das dreifache im Verhältnis zu unbehandeltem Baustahl, jedoch muss normaler Baustahl entweder verzinkt oder beschichtet werden. Dafür entstehen zusätzliche Kosten. Diese entstehen bei Cortenstahl nicht. Gut zu wissen: Cortenstahl bildet für Schnecken ein schwer überwindliches Hindernis und eignet sich daher als Schneckenbarriere, um z. B. Salatbeete zu schützen. Cortenstahl enthält weniger als 1 % Kupfer. Diese geringe Menge reicht aber aus, dass der Schneckenschleim das Kupfer im Cortenstahl oxidiert. Dadurch entsteht für die Schnecke eine reizende Substanz, die die Schnecke am Weiterkriechen hindert. Firma Schneider Metallbau GmbH aus Kastellaun, wurde 1990 gegründet und ist spezialisiert auf Sonderkonstruktionen und individuelle Lösungen. 2013 gewann Schneider Metallbau den deutschen Metallbaupreis in der Kategorie Stahlbau für das Objekt, Archeologische Vitrine in Aachen und 2015 in der Kategorie Fenster / Fassade / Wintergarten für das Objekt: Wintergarten Hotel Birkenhof in Klosterkumbd erhalten.

Fotos: Michael Jarmusch