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Gesundheit & Wellness

Diagnose Krebs

Wie geht es weiter?

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„Gut zu wissen“ • Das Beratungsangebot der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz ist kostenfrei und steht allen Ratsuchenden offen. • In der Region Koblenz werden ergänzend psychoonkologische Sprechstunden in Altenkirchen, Bad Kreuznach, Bad Marienberg, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Betzdorf, Cochem, Diez, Mayen, Montabaur, Neuwied und Simmern angeboten.

Infos und Terminvereinbarung unter 0261 / 988650 oder koblenz@krebsgesellschaft-rlp.de

Die Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz berät und begleitet Betroffene und ihre Familien

Es ist Dienstagvormittag, Frau S., 48 Jahre, hat ihren ersten Gesprächstermin im Beratungszentrum der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz in Koblenz. Sie ist etwas aufgeregt, aber froh, einen Ansprechpartner für ihre Fragen und Sorgen gefunden zu haben. Vor einigen Monaten ist bei ihr Brustkrebs festgestellt worden. Zur Verkleinerung des Tumors absolvierte Frau S. zunächst eine Chemotherapie, bevor sie vor drei Wochen brusterhaltend operiert wurde. Nun wartet sie zuhause auf den Beginn der Strahlentherapie. 

Frau Kunz, Sie sind Leiterin des Beratungszentrums der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz in Koblenz. Wann und mit welchen Anliegen kommen Ratsuchende zu Ihnen?

Gerti Kunz: Das ist sehr unterschiedlich. Manche haben die Diagnose gerade erst erhalten, andere kommen sehr viel später zu uns. Häufig sind es Patienten wie Frau S., die nach den ersten Therapieschritten bzw. nach dem Krankenhausaufenthalt plötzlich in ein tiefes Loch fallen. Oftmals kommen sie erst in der behandlungsfreien Zeit dazu, intensiver über ihre Zukunft nachzudenken. Fragen und Ängste bahnen sich ihren Weg, Probleme im sozialen Umfeld treten auf. Bei Frau S. etwa war es u. a. die Sorge, wie ihre 11-jährige Tochter die Situation verarbeiten würde. Das sonst so fröhliche Mädchen zog sich seit einiger Zeit immer mehr in sich zurück und auch in der Schule gab es seit kurzem Schwierigkeiten.

Wie helfen Sie mitbetroffenen Kindern und Familien ganz konkret?

Gerti Kunz: Unser zentrales Anliegen ist es, die Eltern zu stärken und bei Bedarf in einem altersgerechten, aber dennoch möglichst offenen Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. Dazu bieten wir individuelle Beratungen in Form von Einzel-, Paar- oder Familiengesprächen an. Natürlich haben Kinder und Jugendliche aber auch die Möglichkeit, alleine zu uns zu kommen, um auch Sorgen und Nöte thematisieren zu können, über die sie mit ihren Eltern nicht sprechen möchten. Ergänzend schaffen wir mit unserer Klettergruppe und regelmäßigen Familienaktionen Gelegenheiten, bei denen sich betroffene Familien in lockerer Atmosphäre treffen und untereinander austauschen können (siehe separater Kasten).

Beraten Sie Patienten auch bei Fragen zu ihrer medizinischen Behandlung?

Gerti Kunz:  In unserem Team arbeiten keine Ärzte, sondern Psychologen, Pädagogen und Sozialarbeiter mit einer speziellen psychoonkologischen Zusatzausbildung. Wir helfen in erster Linie bei der Krankheitsverarbeitung, begleiten auf dem Lebensweg mit bzw. nach Krebs oder unterstützen auch bei sozialrechtlichen Schwierigkeiten und finanziellen Notlagen. Bei konkreten medizinischen Anliegen steht uns jedoch ein gut aus gebautes Netzwerk zur Verfügung, auf das wir bei Fragen zurückgreifen oder Ratsuchende bei Bedarf weitervermitteln.

Eine Krebserkrankung ist doch sicherlich auch eine starke Belastung für eine Partnerschaft?

Gerti Kunz:  Auch das beobachten wir in der Tat relativ häufig. Im konkreten Fall von Frau S. war es so, dass sie merkte, wie sich auf einmal trotz allem guten Willen manchmal gereizte Töne in die Gespräche mit ihrem Mann mischten. Um ihn nicht noch mehr zu belasten, behielt sie ihre Ängste und Sorgen oft für sich. Umgekehrt hatte ihr Mann ein schlechtes Gewissen, wenn er trotz der Erkrankung seiner Frau sich ab und an nach der Arbeit mit den Kollegen treffen oder am Wochenende mit seinen Freunden zum Fußball gehen wollte. Mit unserem Beratungsangebot unterstützen wir Paare dabei, möglichst offen miteinander zu kommunizieren und ermutigen sie auch darin, ihre eigenen Bedürfnisse nicht dauerhaft der Erkrankung des Partners unterzuordnen. Übrigens kommen zu uns auch viele Ehepartner oder Angehörige von Krebspatienten, weil sie einen neutralen Ansprechpartner für ihre eigenen Ängste und Belastungen brauchen.

Sind mit Angehörigen explizit Familienmitglieder gemeint oder beraten Sie auch den Betroffenen nahestehende Menschen wie Freunde oder Kollegen?

Gerti Kunz: Unser kostenfreies Beratungsangebot steht allen Menschen offen, die im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung Hilfe brauchen oder Fragen haben. In diesem Jahr haben wir unter dem Titel „Krebs & Beruf“ speziell ein Unterstützungsangebot eingeführt, dass sich nicht nur an Betroffene in der Erwerbstätigkeit richtet, sondern ganz bewusst ihr Umfeld am Arbeitsplatz, also Kollegen und Vorgesetzte einschließt. Die Erfahrung zeigt, dass es für Krebspatienten nicht immer ganz einfach ist, sich nach ihrer Erkrankung wieder in ihrem gewohnten Arbeitsalltag zurechtzufinden. Hier wollen wir Brücken bauen, für Transparenz und Verständnis auf beiden Seiten sorgen und damit letztlich einen Beitrag zu einer guten Wiedereingliederung leisten. Auch bei Frau S. zeigte sich im Verlauf der Beratungsgespräche, dass die Berufstätigkeit ein wichtiges Thema für sie war. Sie hatte erst relativ kurz vor ihrer Erkrankung einen beruflichen Neuanfang gestartet. Die Arbeit machte ihr Spaß und gab ihr natürlich auch viel Bestätigung. Nicht zuletzt entspannte auch der zusätzliche Verdienst die finanzielle Situation der Familie. Und plötzlich war unklar, ob und wann sie in der Lage sein würde, ihre Arbeit weiter auszuüben.

Sie sprachen davon, dass ihre Hilfe für Ratsuchende kostenfrei ist. Wie finanzieren Sie denn ihre Arbeit?

Gerti Kunz: Die Krebsgesellschaft ist ein gemeinnütziger Verein. Unser Etat setzt sich überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden zusammen. Hinzu kommen freiwillige Fördermittel, um die wir uns – teilweise projektbezogen – Jahr für Jahr neu bemühen müssen. Natürlich freuen wir uns, wenn Menschen, denen wir weiterhelfen konnten, uns unterstützen, aber prinzipiell steht unser Angebot allen Menschen offen – unabhängig von einer Mitgliedschaft oder Spende.

Wie geht es Frau S. heute?

Gerti Kunz: Nach dem ersten Beratungsgespräch war Frau S. bereits sehr erleichtert und vereinbarte weitere Termine. Mit Hilfe der Psychoonkologin konnte sie manches aus einer anderen Perspektive sehen und Handlungsansätze entwickeln. Inzwischen hat sie auch die Strahlentherapie gut überstanden und sich für eine ambulante Anschlussrehabilitation entschieden. Da der Tumor relativ früh entdeckt wurde, ist ihre Prognose sehr gut. 

https://krebsgesellschaft-rlp.de