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Bella Italia

Venedig im Winter

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Liegt es am morbiden Charme, dem altertümlichen Flair oder der romantischen Kulisse, dass man dem Zauber der Lagunenstadt gleich beim ersten Besuch verfällt? „La Serenissima“ ist eine der schönsten Städte der Welt –  ein Ort, wo sich Historie und Moderne in perfekter Form verbinden. Wer das wahre Venedig, das Venedig der Venezianer, entdecken möchte, kommt am besten in der kalten Jahreszeit. Dann schlägt die Stadt deutlich leisere Töne an: gelassen, sanft und wunderschön.

 

 

 

Wer Thomas Manns „Tod in Venedig“ gelesen oder mit Katharine Hepburn in „Traum meines Lebens“ mitgefiebert hat, bekommt ein Bild von der Schönheit der Lagunenstadt im Sommer. Allein der Gedanke daran, auf dem Markusplatz (Piazza San Marco) zu sitzen, während die Tauben flattern und die Geigen fiedeln oder am Strand von Lido di Venezia ins Wasser der Adria zu blicken, lässt sehnsüchtige Bilder vor dem inneren Auge entstehen. Die Serenissima ist immer reizvoll: in abgelegenen Winkeln ebenso wie am turbulenten Markusplatz oder in den zahlreichen Palästen und Kirchen – und zwar zu jeder Jahreszeit. Mit kaum einer anderen Stadt verbindet man so viele Klischees. Bekanntlich wird hier das Liebeshormon reichlicher ausgeschüttet als anderswo. Trotz all seiner Romantik, des Gondelzaubers und der verträumten Gärten und Innenhöfe ist Venedig weit mehr als eine kitschige Honeymoon-Destination. Die Stadt hat sich längst zu einer modernen, zukunftsfähigen Kunst- und Kulturmetropole entwickelt von internationalem Rang entwickelt. Wer jedoch nicht im touristischen Bienenschwarm vor jeder Sehenswürdigkeit anstehen, sondern ein besonders authentisches Venedig erleben und sich in aller Seelenruhe unter die Einheimischen mischen möchte, kommt am besten im späteren Herbst und Winter. Vor allem in der Zeit vor Weihnachten und in den Tagen nach Karneval bis Ende März können Besucher eine Stadt ohne Trubel erleben. Die Gassen, Plätze, Kirchen und Museen sind jetzt deutlich leerer – und das venezianische Licht noch hypnotischer. Mit etwas Glück kommt sogar die Sonne heraus und taucht Venedig in ein herrliches Licht, das dem Himmel je nach Tageszeit atemberaubende Pink- und Goldtöne entlockt.

Una canzone d’amore

Eine abendliche Gondelfahrt ist wohl der Inbegriff von Romantik. Es ist ein unvergessliches Erlebnis, sich vom traditionell gekleideten Meistergondoliere durch das Labyrinth der (Neben-)Kanäle rudern zu lassen. Zur Tageszeit und bei Vorabbuchung ist eine 30-minütige Gondelfahrt für etwa 65 EUR zu haben. In den Abend- und Nachtstunden wird das atmosphärische Vergnügen deutlich teurer. Tipp: Wer nicht vorab bucht, sondern sich vor Ort vom „gondola“-Ruf locken lässt, sollte auf Nummer sicher gehen. Nach venezianischer Vorschrift darf eine Gondelfahrt nicht mehr als etwa 80 bis 100 Euro kosten. Wer sich das vor dem Einstieg nicht vom Gondoliere bestätigen lässt oder gleich bezahlt, kann eine böse Überraschung erleben. Da die meisten Gondolieri ihre festen Routen fahren, sollten Sonderwünsche vorab kommuniziert werden. Getränke und Gesang sind im Preis nicht inkludiert. Mit ein bisschen Glück, stimmt der Gondolieri dennoch ein Liedchen an. O sole mio…

Das Caffè Florian von außen im leicht morbiden, immer renovierungsbedürftigen Look, innen jedoch prunkvoll wie eh und je. Hier kehrten schon Goethe, Thomas Mann und Hemingway ein.

Ein Streifzug durch das Herz der Stadt

 

Frühes Aufstehen kann sich lohnen. Am schönsten ist es in den Morgenstunden, wenn die pittoresken Gassen und Plätze noch in Nebel getaucht sind. Wer sich schon beim Frühstück (piccola colazione) wie ein Venezianer fühlen möchte, sucht sich ein Café und speist direkt an der Bar zwischen gut gelaunten Einheimischen. Im legendären Caffè Florian frühstückt man außer einer Kaffeespezialität und einem Croissant oder einer Brioche vor allem Atmosphäre. Venedig ist nicht nur die italienische Stadt der Liebe, sondern auch – was weniger bekannt ist – die Stadt der Kaffeekultur. Die ersten Kaffeehäuser Europas wurden in Venedig eröffnet – das Caffé Florian am Markusplatz ist das einzige, das bis heute überlebt hat. Die Piazza San Marco ist der perfekte Ausgangspunkt für einen Stadtbummel hin zur Rialtobrücke am Canal Grande, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Wenn das berüchtigte Acqua Alta (italienisch, Hochwasser)  wieder zugeschlagen hat, wie häufig in der kalten Jahreszeit, stehen der Markusplatz und die angrenzenden Gassen unter Wasser. Während viele der Anwohner und Geschäftsbetreiber mit den Gummistiefeln durch die Fluten waten, balancieren die Touristen auf den schmalen Holzstegen entlang, die kurzfristig aufgebaut werden. Vor nassen Füßen muss sich also niemand fürchten. Auf dem Weg zur Rialtobrücke beobachtet man Gondeln, die durch die engen Seitenkanäle gleiten, und flaniert durch viele verwinkelte Gassen. Unzählige Läden laden zum Stöbern und Entdecken ein – und das macht jetzt, ohne den Touristenandrang auch richtig Spaß. Wer unverfälschte venezianische Küche genießen will, sollte eine der zahlreichen Trattorien besuchen, in den auch Einheimische bevorzugt speisen. So gibt es beispielsweise an der Uferstraße Zattere etliche Lokale, in die auch Venezianer einkehren. Ebenso ist der abendliche Besuch in einem der populären „bàcaro“-Lokale Pflicht – Weinbars, in denen man sich eine „ombra“ (ein Gläschen Wein) schmecken lässt, während das venezianische Publikum ein Liedchen anstimmt.

Gekauft – Shopping in Venedig

Venedig hat wunderschöne Geschäfte, in der man seine Kreditkarte zum Glühen bringen kann. Im noblen Stadtteil San Marco sind die schicksten Adressen beheimatet. Hier reihen sich exklusive Modeboutiquen an Schuhgeschäfte und Juweliere. Die Mercerie, eine Kette von Einkaufsstraßen zwischen Markusplatz und Rialtobrücke, gilt als die berühmteste Shoppingmeile Venedigs. Das Angebot reicht von Lebensmitteln über Antiquitäten bis hin zu Teppichhändlern, Stoff-, und Wäscheläden. Wer auf der Suche nach italienischer High-Fashion ist, wird hier ebenfalls fündig. Das teuerste Pflaster, die Calle larga XXII Marzo, berherbergt alle großen Namen. Kunsthandwerk wird in der Lagunenstadt seit jeher großgeschrieben. Die Freude am Karneval haben die Venezianer erfunden. Dazu zählt der Spaß am Maskieren. Viele Läden locken ganzjährig mit fantasievollen Kostümen und handgearbeiteten venezianischen Masken. Marmorpapier, Stiche und Bilderrahmen, und Keramikkreationen stehen ebenfalls hoch im Kurs – das Spektrum reicht von Kunst bis Kitsch. Es kann sich lohnen, auch jenseits der touristischen Trampelpfade zu suchen. Die Goldschmiede, Gemmenschnitzer, Modeboutiquen, Ladengechäfte und Lädchen für Stoffe, Spitzen und Maßschneider sind es wirklich wert, sich umzusehen. Hier wird noch Qualität angeboten, verbunden mit erlesener Höflichkeit. Wer durch die Einkaufsstraßen und Gassen schlendert, kommt am Muranoglas nicht vorbei – seit jeher ein Exportschlager der gleichnamigen Laguneninsel. Seit mehr als 700 Jahren wird hier die Glasbläserei gepflegt. Die filigranen Arbeiten sind in ganz Venedig zu bewundern. Die bunten Glaserzeugnisse gibt’s in allen Variationen – Broschen, Schalen, Vasen und sogar opulente Kronleuchter.

Der Meister Kunst

In einer Stadt, in der sich Wasser und Stein gemeinsam mit Geschichte und Lebensart zu einem Gesamtkunstwerk verbinden, mangelt es dem Besucher nicht an Attraktionen. Die hohe Dichte an historischen Bauten ist nahezu einzigartig. Die Kirchensakristeien beherbergen mehr Tizian- und Tintoretto-Bilder  als alle großen Museen der Welt zusammen. Was liegt näher, als sich diese jetzt, wenn sich die Touristenströme in Grenzen halten, in Ruhe zu Gemüte zu führen? Die berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt lassen sich dann ohne Warteschlangen und Gedränge besichtigen. Eine Stippvisite bei Santa Maria Gloriosa dei Frari ist ein Muss für Kunst- und Kulturbegeisterte. Der größte und bedeutendste Sakralbau Venedigs beherbergt zahlreiche Kunstschätze, darunter zwei Hauptwerke Tizians. In der Basilika San Giorgio Maggiore auf der gleichnamigen Insel befinden sich zahlreiche Meisterwerke, unter anderem „Das letzte Abendmahl“ des venezianischen Malers Jacopo Tintoretto. Die weltweit größte Sammlung venezianischer Malerei von der Gotik bis zum Rokoko befindet sich im berühmten Museum Gallerie dell'Accademia – der Besuch ist ein Pflichttermin für Kunstbegeisterte. Im Palazzo Venier dei Leoni am Ufer des Canal Grande wird die "Kollektion Guggenheim", die Kunstsammlung der Peggy Guggenheim, mit berühmten Werken zeitgenössischer europäischer und amerikanische Kunst gezeigt. Das renommierte Haus lockt noch bis zum 7. Januar 2018 mit „Picasso. On the Beach“.

Text: Birthe Fiedler, Fotos: Birthe Fiedler, Giovanni Dall’Orto, Caffe Florian, Fotolia/xxx, scaliger - fotolia.com, eyetronic - fotolia.com, tilialucida - fotolia.com