Bauen & Wohnen

Orte voller Poesie

Der Garten als Gesamtkunstwerk

Gärten sind von Menschenhand geschaffene und individualisierte Natur. Mit dem Wohntrend des Cocooning wächst die Lust darauf, das eigene Grün neu zu gestalten und den Garten zu einem lebendigen Raum der Freude, des Genießens und der Entspannung zu machen. Der nach eigenen Wünschen konzipierte Garten wird zu einem ebenso ästhetischen wie komfortablen Rückszugsort, an dem sich der Lärm der Welt aussperren lässt.

Es ist soweit: Die unbeschwerten Tage in Freien sind da. Was gibt es Schöneres als einen gemütlichen Garten, der zum Ausruhen einlädt und Kraft und Ruhe vom hektischen Alltag spendet? Eines vielleicht: diesen Garten selbst zu gestalten und dabei seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Diese kommt allerdings nicht selten an ihre Grenzen – insbesondere dann, wenn nur ein begrenzter Raum zur Verfügung steht. Schließlich bedarf es einiges an Geschick und Vorbereitung, um die Ursprünglichkeit der Natur auf die Gegebenheiten des eigenen Grundstücks abzustimmen, in verkleinertem Maßstab abzubilden und mitten in den Hausdschungel gemütliche Sitz- und Aufenthaltsbereiche zu integrieren. Natur, Technik und Ästhetik sind dabei keine Widersprüche. So kann der charaktervolle Baum mit seinem markanten Stamm und der ausladenden Krone durchaus zum gestalterischen Mittelpunkt des Gartens werden. Mit der richtigen Beleuchtung wiederum lassen sich Pflanzen, Skulpturen und Sitzbereiche richtig in Szene setzen.  Erde, Wasser, Feuer und Licht bilden im Idealfall eine harmonische Einheit.

Steinerne Ästhetik als Ruhepol

Die Natur war schon immer die schönste Inspirationsquelle. Dementsprechend hat die Nutzung von Naturstein eine lange Tradition. Ob als Plattenbelag, Pflaster, Treppe, Mauer oder Skulptur – Naturstein gestaltet Park- und Gartenanlagen in allen Facetten der abendländischen Gartenarchitektur. Schon die alten Römer wussten um seine hohe Belastungsfähigkeit und waren Vorreiter in Sachen Straßenbau. Ästhetischer ging es in Japan zu: Berühmt sind die beeindruckenden Gartenanlagen der Zen-Mönche, welche eine geradezu meditative Ruhe ausstrahlen. Doch gibt es weitaus mehr Inspirationsquellen, die aus einer einfachen Gartenanlage eine perfekte Symbiose aus Architektur und Natur schaffen und mit unvergleichlicher Atmosphäre verzaubern. So bietet ein sinnvoll angelegter Steingarten nicht nur etwas fürs Auge. Auch viele Pflanzen und Tiere finden hier ein Zuhause. „Ich bin überzeugt, dass der Run auf Naturmaterialien wie Stein von Dauer ist. Nachhaltiges Denken und der Fokus auf Umweltschutz sind längst in der Mitte der Bevölkerung angekommen. Mit Stein bauen heißt umweltschonend zu bauen“, sagt Reiner Krug, Geschäftsführer des Deutschen Naturwerkstein Verband e.V. (DNV), und ergänzt: „Ressourcenschonender Abbau und energiesparende Produktionsmethoden machen Naturstein heute zu einem ökologisch einwandfreien Baustoff. Steine müssen nicht entsorgt werden – sie sind recycelbar. Auch in Sachen Optik kann Naturstein punkten. Er erfüllt sowohl preisliche als auch dekorative Anforderungen.“ Dem Gestaltungsspielraum sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Die natürliche Schönheit der steinernen Oasen zieht den Betrachter in den Bann.

Privatsphäre ausdrücklich erwünscht

Der Trend des Cocooning setzt sich auch im Außenbereich fort. Wer sich Oasen der Ruhe und Idylle schaffen will, braucht Sichtschutz. In Zeiten des verdichteten Raums möchte man sich auch draußen im Grünen ein Stück Privatheit schaffen. „Ein Garten ist erweiterter Wohnraum und als solcher ein privates Refugium, das von außen uneinsehbar sein soll, in dem aber auch einzelne Bereiche klar voneinander getrennt werden. Denn Hecken, Mauern und Zäune erfüllen längst nicht mehr ausschließlich den rein funktionalen Zweck der Abschirmung nach außen. Sie schaffen Räume, gliedern den Garten, geben ihm Struktur und sind oft genug grandiose Blickfänge“, erklärt die Gartenjournalistin Marion Lagoda. Wieviel Grünfläche dabei zur Verfügung steht, ist zweitranig. Aus dem kleinen Reihenhausgarten lässt sich ebenso ein privater Wohlfühlort schaffen wie aus dem opulenten Privatpark. Wer bei Sichtschutz in erster Linie an klassisches Mauerwerk oder hölzerne Zaunelemente denkt, dem mangelt es an Fantasie. Neben den traditionellen Werkstoffen wie Stein oder Holz spielen Heckenpflanzen wie Weißdorn, Rotbuche, Eibe oder Lebensbaum eine tragende Rolle im modernen Gartendesign. Aus Hecken lassen sich übrigens nicht nur klar formierte grüne Wände gestalten, die Gartenräume geradlinig strukturieren.

Blickdichte Heckenwände kommen auch asymmetrisch, wellenförmig oder wolkenähnlich daher. Manchmal scheint es sogar, als hätten die biomorphen Skulpturen von Hans Arp beim Schnitt der bizarren Heckenlandschaften Modell gestanden. Ob zum Schutz vor fremden Blicken, als sattgrüner Hintergrund oder als frei wachsendes Blütenfeuerwerk – Heckenzäune haben zahlreiche Vorzüge: Sie sind kostengünstig, blickdicht, benötigen keinen Anstrich, lassen sich je nach Geschmack und Bedarf in Höhe und Form variieren und halten bei guter Pflege ein Leben lang. Wer es eine Spur exzentrischer mag, setzt Materialien wie Stahl, Beton, Kunststoff oder Glas ein, die durchaus mit der Natur eine Symbiose eingehen und sich als stimmige Umfriedungen oder Strukturgeber erweisen.

Grüne Räume für jeden Bedarf

Im privaten Grünbereich ist vieles denkbar. Spielplatz, Poolbezirk, Grillbereich, Blumen- und Naturoase oder meditativer Zen-Garten – man kann nicht alles haben? Doch, das kann man durchaus. Mit Raumteilern, deren Material- und Formenspektrum ebenso abwechslungsreich ist wie beim Sichtschutz, lassen sich individuelle Freilufträume schaffen. Dabei lassen sich einzelne Zonen abgrenzen und funktionale als auch ästhetische Zonen schaffen. Ihre Farbe und Struktur machen Hecken über den Sichtschutz hinaus zu einem wertvollen Gartenelement, aus dem sich blühende Trennwände und Bogengänge zaubern lassen. Aus Holz, Beton oder Stein gebaut, lassen Raumtrenner mitunter auch cleveres Multitasking zu. Hier lässt sich Technik verbergen, aber auch Gläser und Geschirr. Wer praktisch denkt integriert in Raumteiler und Trennwände nützliche oder schöne Dinge wie Wandbrunnen, Fenster, Spiegel oder Kunstwerke. Ist ein Profiplaner am Werk sind sogar Lösungen denkbar, die einen Pizzaofen oder eine ganze Outdoor-Küche beherbergen. 

Traum-Landschaften für Mußestunden

Der Garten gilt heute als ein nach draußen erweitertes Wohnzimmer – individueller Lebensraum, der sich für vielfältige Freizeitaktivitäten unter freiem Himmel nutzen lässt. Als persönlicher Rückzugsort, der Ruhe und Muße verspricht, oder als geselliger Treffpunkt zum Feiern, Grillen und Lachen – geht es um den Sitz-, Ess- oder Loungebereich, sind gleichermaßen Kreativität und Planung gefragt. Nach Ansicht von Gartendesigner Manuel Sauer kommt der Gestaltung der Aufenthaltsbereiche im Garten, den Sitzplätzen und Terrassen in der Gartenplanung eine besondere Bedeutung zu, denn die möglichst einladende Ausstattung dieser Orte beeinflusst maßgeblich die Verweildauer im Garten und bestimmt somit letztlich die Nutzungsqualität des ganzen Außenwohnraums. „Wer seinen Traumgarten wirklich attraktiv und gemütlich gestalten möchte, braucht nicht nur eine einzelne kreative Idee für einen Sitzplatz, sondern sollte frühzeitig ebenfalls bestimmte Überlegungen zur räumlichen Gesamtwirkung in die Planung einbeziehen“, betont der Experte. Ein gut durchdachtes Konzept führt zu einem wirklich überzeugenden Ergebnis – sowohl in praktischer als auch in ästhetischer Hinsicht. Je nach Vision, Komplexität und Budget kann sich die Hinzuziehung eines Profis durchaus lohnen. 

TOP-Literaturtipps

Konventionell gibt’s schon! Manuel Sauer liefert frische Ideen für moderne Wohlfühloasen, in dessen Mittelpunkt Sitzplätze und Terrassen stehen. Dabei zeigt der Gartenarchitekt auf, wie sich aus jedem Garten – ob klein oder groß – praktisch und visuell das Maximum rausholen lässt. Dazu verrät der Experte umfangsreiches Planungswissen und Pflanzentipps. Besonders hilfreich sind die zahlreichen Pläne und Illustrationen, die Gartenanfänger sofort zum Einstieg in die Welt der individuellen Gartengestaltung ermutigen. 

Junges Gartendesign, Manuel Sauer, ISBN 978-3-95453-125-7, 192 Seiten, 28,00 Euro

Sichtschutz wird im Garten immer wichtiger. Doch dieser erfüllt im modernen Gartendesign längst nicht mehr ausschließlich den Zweck, die Privatsphäre vor fremden Blicken zu bewahren. Hecken, Zäune und Mauern schaffen Räume, gliedern den Garten, geben ihm Struktur und sind oft genug grandiose Blickfänge. Das Buch bietet einen Überblick, wie genial moderne Gartenarchitekten mit Sichtschutzelementen und Raumteilern gestalten und mit den verschiedensten Materialen das Gartendesign bereichern. 

Sichtschutz und Raumteiler im Garten, Marion Lagoda, ISBN 978-3-95453-124-0, 168 Seiten, 39,95 Euro

Text: Birthe Fiedler, Fotos: Manuel Sauer, Jürgen Becker, Richard Bloom, Marcus Harpur, Marianne Majerus, fotolia/Photographee.eu